Der Altbau mit der Nummer 27 in der Stühlingerstraße – in den 50ern nach altem Stil wieder aufgebaut – liegt im Alt-Stühlinger an einer der belebtesten Ecken Freiburgs nahe der Eschholzstraße und in direkter Nachbarschaft zu einem Kindergarten, einem Supermarkt und einer Tankstelle.
Wir, mittlerweile 12 Bewohner*innen zwischen 1 und 67 Jahren, leben, auf vier Etagen und Haushalte verteilt, in Familien oder Wohngemeinschaften zusammen. Einige von uns wohnen schon sehr lange hier, zum Teil seit über 25 Jahren. Im Laufe der Zeit hat sich hier aus einem nachbarschaftlichen Verhältnis eine lebendige und verlässliche Hausgemeinschaft entwickelt.
Im Sommer 2019 erfuhren wir, dass unser Haus verkauft werden soll. Dies löste bei uns große Sorgen aus. Nach der erzwungenen Sanierung des Nachbarhauses hatten sich dort die Mieten mehr als verdoppelt. Auch an vielen anderen Stellen im Stühlinger und in Freiburg konnte und kann man immer noch beobachten, wie die Mieten explodieren und bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird. Falls unser Haus verkauft oder kernsaniert würde, wäre das Wohnen in unserem bisherigen Zuhause für uns unbezahlbar und damit eine existenzielle Bedrohung gewesen, da es auf dem derzeitigen Mietwohnungsmarkt in Freiburg unrealistisch ist, noch vergleichbare Wohnbedingungen zu finden.
Als wir die ersten Ohnmachtsgefühle überwunden hatten, wollten wir all das nicht einfach so geschehen lassen, sondern suchten nach einem Ausweg. So kamen wir auf das Mietshäuser Syndikat, welches für uns die beste Lösung in solch einer Situation darstellt. Denn dieses gemeinschaftliche Eigentums- und Finanzierungsmodell ermöglicht es uns, die Stühlingerstraße 27 als Ort des vielfältigen und solidarischen Wohnens zu erhalten und auszubauen – für uns und zukünftige Bewohner*innen.
Mit viel Unterstützung durch Direktkredite und einem Bankkredit war es uns erfreulicherweise möglich, das Haus am 21. Februar 2021 zu kaufen.
Das Haus war zum Kaufzeitpunkt stark sanierungsbedürftig. Aus verschiedenen Gründen entschieden wir uns, mit diesem Mammutprojekt "Kernsanierung eines bewohnten Altbaus" direkt nach dem Kauf zu starten. Durch professionelle Handwerksbetriebe, viel Eigenarbeit und Mithilfe von Freunden haben wir alle Stockwerke inklusive Kellerdämmung erneuert bzw. umgebaut. Durch die Umstellung auf eine Pelletheizung haben wir die alten Gasrohre ausgebaut, eine neue Heizung inklusive aller Zuleitungen auch für Wasser wurden ein- bzw. umgebaut. Die komplette Elektrik wurde ebenfalls erneuert. Nahezu alle Wände, Böden und Decken wurden ausgetauscht, die Bäder rückten in die Mitte der Wohnungen, um besser von allen Zimmern aus erreichbar zu sein. Außerdem bekamen die Nordzimmer endlich mehr Licht.
Nach ca. 3 Jahren waren alle Wohnungen schließlich fertig, wir erleichtert und glücklich dass wir's gut überstanden und mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind.
Größere Baukostensteigerung konnten wir vermeiden und die Finanzierung der Sanierung konnten wir komplett aus Direktkrediten stemmen. Für diese Solidarität sind wir sehr dankbar. Fertig ist so ein Haus dennoch nie: Einiges steht noch an, wie z.B. die Gestaltung des Innenhofes, des Treppenhauses und des Dachbodens
Seit März 2023 sind wir per Beteiligungsbeschluss der Vollversammlung in Tübingen Mitglied im Mietshäuser Syndikat!
Vielfältiges und solidarisches gemeinsames Wohnen leben wir weiterhin. Wir treffen und besprechen uns in regelmäßigen Plena. Zudem planen wir auch gemeinsame Projekte mit anderen Mietshäuser Syndikat Projekten, wie zum Beispiel die Teilnahme am Straßenfest in der Eschholzstraße am 12. Juli 2025
Wir sind froh, mit unserem Projekt auch langfristig auch für die nachfolgenden Generationen für bezahlbaren Wohnraum sorgen zu können und freuen uns auf die weitere zusammen verbrachte Zeit.









